Straßenverkehr

Sich im Linksverkehr zurecht zu finden ist nicht so schrecklich wie man denkt. Man gewöhnt sich recht schnell daran, auf der Autobahn rechts zu überholen, links herum in den Kreisverkehr zu fahren und an Kreuzungen zuerst nach rechts zu schauen. Am gewöhnungsbedürftigsten ist wohl das ansteuern der "falschen" Spur beim abbiegen und die teilweise abenteuerliche Kreisverkehrlandschaft. Kreisverkehre sind allgegenwärtig und oft ist es nicht nur einer, sondern mehrere Kleine ineinander verschachtelt, manchmal sogar um einen zentralen Grossen herum verteilt.
Ja, es kann beim "ersten Mal" zu leichten Schockzuständen kommen, aber der Eingangssatz gilt auch hier noch: alles halb so schlimm, man gewöhnt sich schnell ein. Es gilt die gleiche Regel wie in Deutschland, der Verkehr im Kreisel hat Vorfahrt. Ein typisches Beispiel: http://www.highwaycode.gov.uk/17.htm Die hier abgebildete Zwei-Kreisel Kombination ist ganz typisch. Alle Verkehrsregeln findet man auf dieser Regierungswebsite, allerdings ist die Lektüre sehr mühsam, da nicht nur reines Regelwerk aufgeführt wird, sondern auch allerlei "unverzichtbare" Hinweise (z.B.: "nach dem Parken die Nebelscheinwerfer aus machen und Handbremse anziehen" Ach so...). Das Meiste funktioniert sowieso nach bekanntem Prinzip und mit den bekannten Verkehrszeichen. Ein Unterschied zu Deutschland ist aber, es gibt bei uns keine lustigen Verkehrszeichen. In Großbritannien schon:

Gemessen an der Häufigkeit mit der dieses Schild in ganz UK auftaucht muss es die Insel der Alten sein! Das gibt's übrigens auch noch mit "disabled people".


Gut zu wissen

Alles wichtige Grundwissen, das man von der ersten Fahrt an braucht, ist hier einmal zusammengefasst:

  • Rechts-vor-links oder umgekehrt existiert nicht. An Kreuzungen ohne erkennbare Vorfahrtsstraße ist die Vorfahrt durch Haltelinien geregelt.
  • Kreisverkehre (Roundabouts) werden links herum (im Uhrzeigersinn) befahren, der Kreisel hat Vorfahrt (von rechts).
  • Wenn es an der Fußgängerampel gelb blinkt, Vorsicht, denn Fußgänger dürfen immer noch gehen. Und Briten gehen immer. Mit oder ohne Ampel, ob rot ob grün. Oft hat man den Eindruck, das überqueren der Strasse macht ihnen nur unter Lebensgefahr Spaß. Am besten nie drauf vertrauen dass der Mensch am Straßenrand auch wirklich stehen bleibt, obwohl er Gefahr läuft überfahren zu werden..
  • Speed Limits: innerorts 30 Meilen, außerorts 60, Autobahn 70. Genaueres gibt's auf der Regierungsseite unter diesem link: http://www.highwaycode.gov.uk/09.htm#103 Zum Vokabular: built-up areas = innerorts, single carriage way = außerorts mit 1 Spur pro Fahrtrichtung, dual carriage way = außerorts mit 2 Spuren pro Fahrtrichtung, Motorway = ...genau!
  • geblitzt wird nicht so fies wie in Deutschland. Blitzkästen (Speed Cameras) sind neongelb und werden durch weiße Schilder mit einer schwarzen, stilisierten Kamera angekündigt. Allerdings stehen wesentlich mehr dieser Schilder herum als tatsächlich Kameras. Immerhin wird man immer wieder daran erinnert die Augen offen zu halten. Achtung, eine Ausnahme gibt es: auf Autobahnen können manchmal Kameras an der Rückseite von digitalen Gebotsschildern angebracht sein. Die sind aus Fahrtrichtung unsichtbar. Mobile Blitzer gibt es nur in Form von am Straßenrand postierten Autos. Man kann also einige böse Überraschungen verhindern, wenn man mit offenen Augen durch die Gegend fährt.
  • beim innerorts am Straßenrand Parken ist Vorsicht angebracht. Doppelte gelbe Linie ("double yellows") bedeutet absolutes Halteverbot, Einfache bedeutet Eingeschränktes. Wo keine Linien sind, ganz sichergehen, dass nicht irgendwo entlang der Strasse ein kleines Schild hängt welches die Gegend als Anwohnerparken (resident permit holders) ausweißt oder auf gebührenpflichtiges Parken (pay and display) hinweißt.

Strafzettel

Strafzettel sind unglaublich teuer, egal ob fürs Falschparken oder zu-schnell-Fahren. Immerhin gibt ein Discount-System bei manchen Ordnungsverstößen (zum Beispiel falsches Parken). Der Strafzettel lautet zuerst auf 60 GBP Strafgebühr, doch zahlt man innerhalb von 14 Tagen, gilt die discount rate von 30 GBP.

Zu schnell fahren kostet satte 60 GBP, ohne discount Möglichkeit, plus 3 Punkte. Egal ob innerorts, außerorts, 2mph zu schnell, oder 10 mph zu schnell. Einfach pauschal. Sau-unfair! Nun kann die DVLA ("Drivers And Vehicles Licencing Association" => Punktesammel- und KfZ-Meldestelle in einem) aber keine Punkte direkt auf einen ausländischen Führerschein verteilen. Daher werden die Punkte nur bei der DVLA in Verbindung mit der Person registriert, die Strafe tritt also nur auf englischem Boden in Kraft. Auf Ihre Flensburger Akte hat das keinen Einfluss.

Vom Blitzen bis zur Fälligkeit der Strafe vergeht locker ein halbes Jahr. Aufgrund der Komplikationen mit dem Punkte verteilen muss man als Ausländer vor Gericht erscheinen, wo die Strafe dann offiziell festgelegt wird und ein Zahlungsultimatum gestellt wird. Angeblich ist das Strafmaß nach oben flexibel da die Punkte nicht wie bei den Einheimischen auf den Führerschein kommen. Ich weiß nicht ob es tatsächlich vorkommt dass über die 60 GBP  hinaus gegangen wird. Man muss jedenfalls auf einem Formular seine regelmäßigen Einkünfte und Ausgaben angeben, als Maß für die Festlegung der Bußgeldhöhe. Von daher hatte ich Glück, als Praktikant sowieso am Hungertuch zu nagen. Hat jemand andere oder weitergehende Erfahrungen gemacht? Bitte an experienced@livinginbritain.de schreiben wenn Sie sie mitteilen möchten!

Bei Fragen zu diesem Thema einfach an advice@livinginbritain.de schreiben oder im Forum posten. Wer eigene Erfahrungen und Tipps hinzufügen möchte kann an experienced@livinginbritain.de schreiben. Die Inhalte werden dann überprüft und evtl. übernommen.